Managerinnen | Zwischen Karriere und Kinder

Köppel | "Als zum Beispiel General Eisenhower vor dem D-Day stand, hätte vermutlich auch niemand gewollt, dass er gerade jetzt einen viermonatigen Vaterschaftsurlaub beziehen würde."

"Als zum Beispiel General Eisenhower vor dem D-Day stand, hätte vermutlich auch niemand gewollt, dass er gerade jetzt einen viermonatigen Vaterschaftsurlaub beziehen würde." | Roger Köppel, Chefredaktor Weltwoche

“Jasmin Staiblin, Schweiz-Chefin von ABB, hat ein Kind geboren und geht in den Mutterschaftsurlaub mitten in der schweren Wirtschaftskrise. Ist das verantwortungsvoll?”

Mit dieser Einleitung hat die Weltwoche seit Juni grosse Diskussionen ausgelöst, welche in der Sendung “Club” am Dienstag 21. Juli 2009 auch das Fernsehen erreichten.

Die Frage scheint mir berechtigt, denn sie basiert auf einer Grundhaltung ob Karriere und Familie unter einen Hut gebracht werden können, insbesondere dann wenn die Mutter eine Kaderposition besetzt. Dass Frauen keine schlechteren Führungspersönlichkeiten sind und das Recht auf Karriere haben ist unbestritten, dass sie gleichzeitig, zumindest in der Schwangerschaft und unmittelbar nach der Geburt, die wichtigere Funktion im Bezug auf die Kinder haben, steht ebenfalls ausser Frage.

"Ich bin eine Rabenmutter und musste lernen, damit zu leben." | Andrea Degen, Ärztin und Managerin

"Ich bin eine Rabenmutter und musste lernen, damit zu leben." | Andrea Degen, Ärztin und Managerin

Die Rede ist hier von privilegierten, finanziell unbesorgten Familien, mit Müttern in absoluten Kaderpositionen. Positionen, welche in Krisenzeiten entscheidend sein können. Während die Verantwortung gegenüber dem Job eine strategische Frage bleibt und diskutiert werden kann, sehe ich die Verantwortung gegenüber dem Kind stark vernachlässigt.

Ist das Kind Statussymbol und die Betreuung kann durch externe, bezahlte Personen übernommen werden? Kann eine Unternehmung mehrere Monate auf die Spitze verzichten? Können Kinder mit der gleichen Qualität erzogen werden, wenn unzählige Bezugspersonen daran beteiligt sind?

Offene Fragen bleiben, doch die Verantwortung verschwindet offensichtlich, denn wie unfähig wären demzufolge jene Manager, welche neben dem Unternehmen kaum noch Freizeit geniessen und wie könnten die hohen Löhne der Kaderleute begründet werden, wenn diese problemlos mehrere Monate ausfallen?

Wie heisst es doch so schön: “Man sollte nicht auf zu vielen Hochzeiten gleichzeitig tanzen!”


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